In letzter Zeit

wird mir immer wieder persönlich-schmerzlich bewusst, dass ich eigentlich gar nichts über das Leben weiss und alle meine „klugen Sprüche“ wie potenzlose Placebos in diesem Raum persönlichen Nichtwissens schweben; und mir geht es dann wie Kathum in „Nethu“, der Sprüche verteilt, ohne die geringste Ahnung, wofür?, wozu?- und was sie bedeuten.

Kathum antwortet in „Nethu“ auf diese Fragen in etwa: „Ich weiss nicht, was sie bedeuten, denn sie sind nicht für mich.“ Aber mehr als ein weiteres Placebo ist das auch nicht.

Und das ist die schlichte Wahrheit. Ich erscheine im Leben, ohne zu wissen, was es ist, als Teil des Lebens, und wie ich es mir auch betrachte, von hinten, von vorne, es wende und drehe: es ergibt schlichtweg nicht den geringsten Sinn. Und das ist die Essenz meines Wissens.

Ich kann nun versuchen, es zu deuten, aber im Grunde ist alles Spekulation – und letztlich Lüge – und man lügt sich halt gegenseitig an, um sich im Angesicht dieses Abgrundes zu trösten. Doch wäre es viel sinnvoller und ehrlicher, einfach bei der Wahrheit zu bleiben. Nur, will ich sie hören, oder will überhaupt jemand anderer sie hören?

In der Frage nach dem, was ich bin, als das Leben, stehe ich bis zur Nasenspitze in einer Kloake der hohlen Sprüche („Wahrheiten“), ohne wirklich etwas wahres sagen zu können, ausser die Tatsache zu bemerken, selbst zu sein (was auch immer das sein soll) – und gerade, weil ich bin, in dieser Kloake der Viertelswahrheiten sitze.

Nichtwissen ist nicht zu verkaufen, wer gibt schon etwas für etwas, was sie/er zur Genüge selbst hat? Der Mensch sehnt sich nach Trost, nach Wissen, nach Anleitung, wie er mit dem Leben erfolgreich umgehen könnte, und ich habe dazu im Grunde nicht viel mehr im Angebot, als zu sagen: das ist die eigentliche Illusion.

Und damit meine ich nicht das Leben selbst, das ist alles andere als illusionär, sondern mein Wissen über das Leben.

Ich wäre ja so gerne jemand, der helfen könnte, der trösten könnte, der heilen könnte, der umarmen könnte, der wirklich etwas zum „positiven“ ändern könnte, aber ich weiss (über alles relativ-praktische Wissen hinaus) einfach nicht, mit was ich es hier zu tun habe, mit diesem „ich selbst als das Leben“.

Und es gibt Tage, an denen mich das zutiefst berührt, und wenn ich dann auf facebook all die Sprüche lese, die ich gerne selbst mit verteile, sind sie nicht mehr, als leere Gespenster eines Nichtwissen, das sich nach einem Wissen sehnt, das es derzeit einfach nicht gibt.

Diese Berührung ist immer schmerzlich, und dann nehme ich mir vor, kein Wort mehr zu sagen, nie mehr auch nur ein Wort zu schreiben, aber auch darin bin ich ohnmächtig.

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