Vor meinem Erwachen

dachte ich, Erwachen hätte etwas mit Wissen zu tun. Ich „erwache“ (was immer das sei) und weiss dann, wer und was ich bin – und als Draufgabe gibt es vielleicht noch ein paar paranormale Fähigkeiten, die mir das Leben erleichtern. Das waren die kindlichen Ideen, die ich im Thema übernommen hatte, oder die ich mir aus dem Gelesenen und Gehörten selbst zusammenreimte. Und ich bin dann der grosse Durchblicker. 🙂

Und diese Ideen wurden allesamt enttäuscht, ging es dann wirklich um Erwachen, was viel mehr ein Erwachen aus all diesen (und anderen) Ideen über mich selbst war und ist (es geht immer weiter), als ein Gewinn an Wissen.

Ich bin ein Kind der Aufklärung, und in der Aufklärung beginne ich selbst mit dem Wissen, dem Denken, dem Verständnis, der Erinnerung, und es ist dann ganz natürlich, vor dem Hintergrund dieses Axioms der Aufklärung, dass ich spirituelles Erwachen mit „mehr Wissen“ verbinde.

Doch ist es eine Konfrontation mit etwas nicht Erwartetem, nicht etwas, was kommt (Wissen), sondern etwas, was immer ist: „Nichtwissen“. Ich beginne nicht im Wissen, sondern im Nichtwissen, und „Nichtwissen-Sein“ ist keine Idee oder Vorstellung. Es ist Sein.

„Ich denke, also bin ich“ ist ein Axiom (Glaubensdogma) der Vorstellung, etwas, an das ich glauben muss. Ich begegne im Erwachen nun etwas, an das ich weder glauben muss, noch glauben kann – was einfach unerklärlich ist: „ich bin“ – und was sich selbst ist, ich selbst bin – vor aller gedanklichen Bestätigung oder Verneinung.

Ich bin nicht, weil ich glaube zu sein, oder überhaupt an etwas glaube, sondern einfach nur, weil ich bin. Und das macht es schwierig, über „ich bin“ (Nichtwissen) zu sprechen, an das ich weder glauben muss (noch kann), da es etwas ist, was ich vor allem Wissen über mich selbst schon immer bin – und was nicht durch Verstandes-Wissen getragen ist: das immer wache „ich bin“.

Der eigentliche Segen im Erwachen lag/liegt für mich in diesem Nichtwissen. Es ist wie eine reinigende Dusche, die mich aus der geglaubten Verbindlichkeit der Ideen über mich selbst löst, da sie allesamt nicht mehr das sein müssen (emotional), was sie gar nicht sein können: meine eigentliche Identität: „ich bin“.

Ich bin im Kern meines Wesens durch die Diskussion um Wissen gar nicht infrage gestellt. Und das ist durchaus erleichternd (emotional), da ich sie gar nicht mehr im Wissen suchen muss.

Was ist „ich bin“ nun? Wie ich schon sagte: es ist vor dem Wissen, etwas, was ich vor allem Wissen über mich selbst ganz natürlich bin. Ich kann es nicht erklären, doch ist es permanente Selbst-Erfahrung: „Ich bin“ – kann auch nicht erinnert werden – braucht es auch nicht, denn es ist immer hier.

Ich kann als Verständnis das „ich bin“ gar nicht antasten, da es nicht durch mich (Verständnis) ist, sondern vor mir selbst als das Verständnis.

Und so sinke ich sinnbildlich in dieses „ich bin“, das „strahlende Hier“, das „grosse HIER“, in dem ich völlig zeitlos still stehe, in meiner Identität, ohne überhaupt einen Inhalt haben zu müssen. Und wie „ich bin“ gewusst ist, weiss das Verständnis nicht, weil es eine völlig andere Art von „Wissen“ ist, das zwar jede(r) kennt (da sie/er ist), aber eben kein Verstandeswissen (Gedanke) ist. Es ist zeitloses Wissen um mich selbst, das weder kommt noch geht: still ich bin: Das Hier: die Realität: das, was wirklich ist: das, was ich wirklich bin: kein Wissen: Nichtwissen:

blankes zeitloses Gegenwart-Sein. Immer hier, egal, an was gedacht wird, oder an was nicht: nicht durch Denken bedingt.

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