Der Denker und sein Denken (Teil 2)

Gedanken sind eigenartige Wesen. Hier als Schriftzeichen eingefroren sind sie objektiv betrachtet „tot“. Aber sobald du diese Zeile liest, dekodiert sich die Schrift zu lebenden Gedanken, und plötzlich erwachen all die eigentlich toten Worte zum Leben. Und du kannst es gar nicht verhindern, dass sich in dir diese toten Buchstaben alle beleben und dann ein Eigenleben in deinem Kopf entfalten. Schreibe ich „Affe“, denkst du an einen „Affen“, schreibe ich „Salat“, denkst du an Salat.

Du kannst das nur verhindern, da sich in deinem Kopfe all diese Buchstabenleichen beleben, wenn du hier mit dem Lesen abbrichst. Und auch dieser Hinweis wird sich in dir beleben, du wirst dich so oder so entscheiden, und eigentlich sind das hier ja nur tote Buchstaben?

Sie können für Tausende von Jahren irgendwo in der Ecke liegen, dann schaut sie jemand an, der sie dekodieren kann, und sie entfalten ihr Eigenleben in ihm und begegnen den dort wohnenden Gedanken.

Der Gedanke kann also unendlich lange gelagert werden, in einem toten Zustand, in dem er völlig unbewusst ist, aber er kann auch jederzeit in einem ihm wahrnehmenden Organismus, der ich „lesen“ (also dekodieren kann) „aufwachen“ und am „sozialen Leben der Gedanken in mir“ teilnehmen.

Sie sind so Besucher wie auch Eindringlinge, andererseits ist ohne diesen Austausch keine Weiterentwicklung möglich.

Dieser Text entstand also in dieser Instanz, die wir „Denker“ nennen, und in der die Gedanken wie auf einem Flugplatz ein- und ausfliegen.

Sie flogen in mich ein, modifizierten sich in mir (weiteres Thema) und flogen dann wieder aus, als eigentlich „tote Buchstaben“.

Die Gedanken reisen also als Tote durch den interstellaren Raum zwischen „den Denkern“, sterben quasi bei ihrer Abreise (ich schreibe sie auf) und beleben sich neu in dir, die/du  diese Worte liest, und die/du der bist, den man „den Denker“ nennt. Die Instanz, die diese Worte (Toten) interpretieren (wiederbeleben) kann.

 

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