Die Ralativität der Wahrheit

Alle absoluten Aussagen zu dem, was ich in der Gestalt bin, sind der vergebliche Versuch, mich in einer Wahrheit zu fassen, die ich als Mensch nur als relative Wahrheit kennen kann.

Es gibt ein schönes Zitat von Ramana Maharshi zu diesem Thema: “There is neither creation nor destruction, neither destiny nor free will, neither path nor achievement. This is the final truth.”
(in etwa: Es gibt weder Schöpfung, noch Zerstörung; weder Schicksal, noch freien Willen; weder einen Weg, noch ein Ziel. Das ist die letztliche Wahrheit).

Ich weiss zwar, dass ich bin, das bin, was Ramana als „das Selbst“ bezeichnet, aber ich weiss nicht (Verständnis), was es letztlich ist.

Ich kann Wissen auf der relativen Ebene erwerben, aber es sagt nur etwas in diesen relativen Bezügen aus. Einstein sieht das ähnlich, in der Realtivitätstheorie, auch wenn er in ihr eine absolute Grösse formuliert: die Lichtgeschwindigkeit. Alles andere ist relative Wahrheit, was heisst, abhängig vom Beobachter und dem beobachteten Objekt. Nur über diese Beziehung kann ich eine Wahrheit formulieren, die aber keine absolute Wahrheit darstellt, also absolut ohne Verbindlichkeit ist.

Ich befinde mich als Mensch im Reich der Relativität, in der Wahrheit immer eine Beziehung von Subjekt und Objekt darstellt. Der Bildschirm ist z.B., relativ gesehen, einen Meter von meinen Augen entfernt. Aber diese Wahrheit (um ein einfaches Beispiel für Relativität zu geben) gilt eben nur für den Abstand meiner Augen zum Bildschirm (Beobachter <-> Objekt der Beobachtung). Für die Wand hinter mir gilt eine andere Wahrheit. Sie ist 4,5 Meter vom Bildschirm entfernt.

Es gibt also Wahrheit, aber ich kann keine verabsolutieren. Sie ist eine Momentaufnahme in der Raumzeit und nur in diesem Modell wahr.

So gibt es Schöpfung und Zerstörung, Schicksal und freien Willen, Wege und Ziele, aber nur als relative Wahrheiten, als Begegnung von Subjekt und Objekt (Welt).

Zu erkennen, dass ich nur relative Wahrheit kennen kann, ist Weite der Wahrheit, ist alle Wahrheit als das zu erkennen, was sie ist: Relativität.

Es gibt also Wahrheit sehr wohl, als relative Wahrheit, aber wo ich daraus absolute Wahrheit über mich und die Welt konstruiere, befinde ich mich auf dem Holzweg.

Auf dem Holzweg im Opfer-sein, im Täter-Sein, im Dies-sein, im Jenes-Sein, im Dies-nicht-Sein, im Jenes-nicht-Sein, im So-Sein, im So-nicht-Sein.

Alles ist relative Wahrheit in einer Weite, über die ich absolut nichts weiter aussagen kann, als dass sie ist: ES IST.

Wo ich mich selbst in einer relativen Wahrheit über mich selbst zu absolutieren versuche, die also sehr wohl als relative Wahrheit des Augenblicks existiert und beschreibbar ist, schränke ich mich völlig überflüssig ein.

Und dazu gibt Ramana einen weiteren Hinweis: „alles, was kommt und geht, ist nicht wirklich“: ist relative Wahrheit über mich selbst: sagt nichts über die absolute Wahrheit des Selbst aus, die wir als Wesen der Raumzeit nur als diese relative Wahrheit kennen.

Und das erscheint mir zum Verständnis von Wahrheit sehr wichtig. Es heisst nicht, dass es keine gibt, sie ist einfach immer nur eine Momentaufnahme der Beziehung von Subjekt und Objekt.

Und wo ich eine absolute Wahrheit über mich selbst formuliere, die ich nur als Wahrheit der Beziehung zu mir selbst (Subjekt zu Objekt) kenne, verkenne ich menschliche Wahrheit: Wahrheit gibt es für den Menschen nur als relative Wahrheit.

Die einzige absolute Wahrheit über mich selbst ist „ich bin“: „ICH BIN, DAS ICH BIN“ (absolute Wahrheit).

Und die gekannte Wahrheit ist: „ES IST, WIE ES (gerade) IST“ (relative Wahrheit).

Darüber hinaus ist, menschlich gesehen, Weite, Weite, Weite: IST.

Wer relative Wahrheit als absolute Wahrheit verkauft, verkauft einen eisernen oder goldenen Käfig, aber immer auch eine Illusion über mich selbst: DAS SELBST.

(shri.tobi)

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