Ramana Maharshi

Natürlich kann ich nicht für Ramana Maharshi sprechen – nur darüber, wie ich ihn verstanden habe. Wobei „verstanden“ (Verstehen) bei ihm nur sehr eingeschränkt möglich ist, vollziehe ich nicht persönlich nach – Stichwort: Erleben – wie es zu dem kam, was im Westen als „Neo-Advaita“ ankam.

Im Grunde lässt sich seine Lehre in vier Worten vollständig zusammenfassen:

„Du bist das Selbst.“

Ich würde sagen: „Ich und die Wirklichkeit sind eins.“ oder: „Ich und die Wirklichkeit sind nicht getrennt.“

Die missverständlichen „Wesen“ in seiner Lehre sind einmal „das Selbst“ (die Wirklichkeit) und zum anderen „das Ego“ (der Trennungsgedanke).

Im Begriff „Selbst“ wird gerne eine verborgene Parallelexistenz zur seienden Wirklichkeit angenommen. Und der Begriff „Ego“ wird gerne mit „Ich“ verwechselt, aber meint den Trennungsgedanken, also die Idee, dass das Ich von der Wirklichkeit (dem Selbst) getrennt sei.

Und das ist primär kein intellektuelles, sondern primär ein emotionales Problem. Intellektuell (Verständnis) ist der Trennungsgedanke in der Selbstbetrachtung weit einfacher zu durchschauen, als der emotionalen Komponente (einer Art unbewusster emotionaler Überzeugung) beizukommen.

Gerade der emotionale Part ist extrem langwierig, zumindest für Menschen, die so dumm sind wie ich. Es mag genialere Vertreter dieser Spezies geben, aber für mich war dieser emotionale Part die härteste Nuss.

Das Selbst zu erkennen empfand ich schon als schwer genug, jedoch die empfundene Trennung in der Introspektion (Atman Vichara) auszuräumen brauchte nach dem sogenannten „Erwachen“ (spirituelle Selbsterkenntnis) noch viele Jahre.

Als wäre es eine „genetisch programmierte“ Überzeugung, denn sie existiert im Ursprung unbewusst an der Basis des emotionalen Selbstempfindens. Und dieser Ebene komme ich rein intellektuell nur sehr schwer bei.

Ich und Gegenwart (Ich und das Selbst) verschmelzen dabei persönlich empfunden im Laufe der Jahre immer mehr zum „dritten mysteriösen Geist“ in seiner Lehre: dem Hier.

„Wohin soll ich gehen?“ antwortete er, nach seinem Tod befragt: „Ich bin hier.“

Und so einfach ist das am Ende: Ich (Persönlichkeit) und das „kosmische Ich“ (Selbst, bzw. Wirklichkeit) sind dasselbe Ich (ein in sich ungetrennter „Geist“).

In dieser persönlich empfundenen emotionalen Verschmelzung mit dem Selbst, der Überwindung des Trennungsgedankens (der emotionalen Überzeugung von der Wirklichkeit, dem Selbst, getrennt zu sein) liegt die persönlich emotional empfundene Erleichterung für mich als Persönlichkeit.

Dazu muss ich (und kann ich auch nicht) verstehen, was die Wirklichkeit im intellektuellen Sinne nun eigentlich ist. Das weiß niemand.

Diese „Medizin“ setzt an der emotionalen Ebene an und wirkt hier im prä-rationalen Sein, auch wenn das Verständnis dabei der Begleiter ist. So sehr es sich auch bemüht, also ich mich als Verständnis bemühe, so gänzlich begreife ich nicht, was dabei geschieht. Wie jedes andere Medikament, wirkt es „von selbst“, sprich: weitestgehend unbewusst.

Das Verständnis würde gerne, analog zur chemischen Wirkung eines Medikaments, in diesen Prozess schauen, aber er ist unbewusst und als materielles Modell (z.B. der Chemie bei Medikamenten) nicht greifbar.

Und dieses Hier ist unsterblich, kam nicht, geh nicht – und geht (selbst nach dem Tod) auch nirgendwo anders hin. Was für die Persönlichkeit in der heutigen sozialen Interpretation gilt, gilt für den Selbstgeist eben nicht.

Persönlichkeiten sind eher wie „temporäre Kleider“, die er/ich an- und ableg/e/t. Und er/ich bleibt/bleibe das seiende Mysterium der Existenz. 🙂

Und was ihn/mich dazu treibt? Tja, das weiß ich auch nicht. An dieser interessanten Frage bin ich bisher gänzlich gescheitert. 🙂

Aber ich bleibe am Ball, denn es interessiert mich. Warum? Da es mich betrifft. 🙂

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