Wer bin ich/ bist du?
Du hast mir auf einen Beitrag einen Kommentar geschrieben, ich hätte gesagt, du seist nicht einmal Bewusstsein. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern.
Ich weiß aber noch, dass ich öfter erwähnt hatte, dass für mich persönlich der Schlüssel zur Selbsterkenntnis war, dass es ohne mich nicht einmal nichts gibt:
„Ich bin, bevor nichts ist.“ Oder anders gesagt: „Ohne mich gibt es nicht einmal nichts.“
Vielleicht führte das zu diesem Missverständnis? Wie auch immer, ich entschuldige mich, hätte ich das jemals gesagt.
Vorweg: In der Selbsterkenntnis kannst du dich auf keine soziale Antwort verlassen, denn diese Frage verlässt in ihrer Antwort den sozialen Raum – in das, was die Mystik „Ewigkeit“ nennt. Die sogenannte „Nondualität“.
In diesem Grundzustand des Universums, der auch mit der Schöpfung existent ist, gibt es die Dualität perspektivisch noch nicht.
Dieser Zustand, auf dem das dual erscheinende Universum aufbaut, wird in der indischen Mythologie auch Brahman genannt.
Manche nennen ihn auch „reines Bewusstsein.“
Im Kern ist so alles – und somit auch du: Brahman: „das höchste Wesen“, wobei ich hier nicht von einem Wesen im Sinne einer Persönlichkeit sprechen kann.
Jede Persönlichkeit baut auf Brahman auf und ist von Brahman getragen.
Du bist als diese Persönlichkeit somit auch gleichzeitig Brahman, denn ohne Brahman wüsstest du gar nicht, dass es dich gibt. Es ist letztlich Brahman, „der“ sich durch eine Persönlichkeit selbst erlebt und wahrnimmt.
Diese Beziehung nennt die Philosophie des Advaita „nicht-zwei“. „Nicht-zwei“, da du einerseits Brahman bist, aber als Persönlichkeit Brahman nicht exklusiv für dich selbst beanspruchen kannst.
Brahman ist alles. Das ganze Universum, auch über das hinaus, was wir bereits über es wissen.
Das ist so ähnlich wie in einem nächtlichen Traum. Einerseits bist du das Wesen im Traum, andererseits aber auch der ganze Traum, denn das Wesen im Traum und der Traum bedingen einander, existieren nicht unabhängig voneinander.
Da heißt für dein Dasein als Mensch, dass du einerseits der Mensch auf dieser Erde bist, aber andererseits – in deinem Wesen als Brahman – das ganze Universum, alles, ohne jede Ausnahme.
Das ist die „nicht-zwei“- Beziehung zwischen Mensch (und allem, was in diesem Universum erscheint, also jedem Lebewesen bis zum kleinsten Teilchen) und Brahman.
Die Antwort auf die Frage: Wer bin ich? ist so letztlich: Brahman. Und als Brahman bist du nicht weniger als alles.
Wie komme ich nun aber zu dieser Erkenntnis?:
Dazu formulierte Buddha die Lehre vom „Nicht-Selbst“ oder der Jnana-Yoga die Unterscheidung der Form von der Nicht-Form: Alle Form ist vergänglich. Was bin ich unabhängig von all dem, was entstehen und vergehen kann?
Das in der Selbstbetrachtung herauszufinden, ist das „Tor“ zur Erkenntnis des todlosen Zustands des Selbst/ deiner selbst (Brahman).
Persönlichkeit wird geboren und stirbt. Brahman ist die reine Wirklichkeit selbst, die weder geboren wurde, noch sterben kann.
Es ist logisch, dass „er“ (Brahman) somit hier sein muss, als die Gegenwart deiner selbst.
Das herauszufinden, für dich selbst, ist die sogenannte Selbsterkenntnis, das sogenannte „spirituelle Erwachen“.
Es ist heute modern – und es gibt viele – die sagen, Erwachen gibt es nicht.
Ich aber sage, Erwachen ist die Selbsterkenntnis Brahmans in einer Persönlichkeit.
Und zu diesem Projekt wünsche ich dir bestes Gelingen. Denn die Erkenntnis deiner todlosen Natur entkrampft vieles, auch die Begegnung mit dem politischen Wahnsinn dieser Tage. Der ist ja kaum noch auszuhalten.
Liebe Grüße,
Tobias
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