In meine Jugend war ich immer beeindruckt,

las ich all die spirituellen Lehren und fragte mich dann, woher die das alles wissen? Ich selbst hatte ja überhaupt keine Ahnung – und dann lernte ich das, was mich beeindruckte auswendig und hausierte mit „klugen Sprüchen“.

Der Unterschied von heute zu früher ist nur der, dass ich heute weiss, dass sie auch nichts wussten.

Viel näher als alles Wissen war mir schon immer das Nichtwissen – und „viel näher“ heisst: viel mehr eigene wahre Natur.

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In letzter Zeit

wird mir immer wieder persönlich-schmerzlich bewusst, dass ich eigentlich gar nichts über das Leben weiss und alle meine „klugen Sprüche“ wie potenzlose Placebos in diesem Raum persönlichen Nichtwissens schweben; und mir geht es dann wie Kathum in „Nethu“, der Sprüche verteilt, ohne die geringste Ahnung, wofür?, wozu?- und was sie bedeuten.

Kathum antwortet in „Nethu“ auf diese Fragen in etwa: „Ich weiss nicht, was sie bedeuten, denn sie sind nicht für mich.“ Aber mehr als ein weiteres Placebo ist das auch nicht.

Und das ist die schlichte Wahrheit. Ich erscheine im Leben, ohne zu wissen, was es ist, als Teil des Lebens, und wie ich es mir auch betrachte, von hinten, von vorne, es wende und drehe: es ergibt schlichtweg nicht den geringsten Sinn. Und das ist die Essenz meines Wissens.

Ich kann nun versuchen, es zu deuten, aber im Grunde ist alles Spekulation – und letztlich Lüge – und man lügt sich halt gegenseitig an, um sich im Angesicht dieses Abgrundes zu trösten. Doch wäre es viel sinnvoller und ehrlicher, einfach bei der Wahrheit zu bleiben. Nur, will ich sie hören, oder will überhaupt jemand anderer sie hören?

In der Frage nach dem, was ich bin, als das Leben, stehe ich bis zur Nasenspitze in einer Kloake der hohlen Sprüche („Wahrheiten“), ohne wirklich etwas wahres sagen zu können, ausser die Tatsache zu bemerken, selbst zu sein (was auch immer das sein soll) – und gerade, weil ich bin, in dieser Kloake der Viertelswahrheiten sitze.

Nichtwissen ist nicht zu verkaufen, wer gibt schon etwas für etwas, was sie/er zur Genüge selbst hat? Der Mensch sehnt sich nach Trost, nach Wissen, nach Anleitung, wie er mit dem Leben erfolgreich umgehen könnte, und ich habe dazu im Grunde nicht viel mehr im Angebot, als zu sagen: das ist die eigentliche Illusion.

Und damit meine ich nicht das Leben selbst, das ist alles andere als illusionär, sondern mein Wissen über das Leben.

Ich wäre ja so gerne jemand, der helfen könnte, der trösten könnte, der heilen könnte, der umarmen könnte, der wirklich etwas zum „positiven“ ändern könnte, aber ich weiss (über alles relativ-praktische Wissen hinaus) einfach nicht, mit was ich es hier zu tun habe, mit diesem „ich selbst als das Leben“.

Und es gibt Tage, an denen mich das zutiefst berührt, und wenn ich dann auf facebook all die Sprüche lese, die ich gerne selbst mit verteile, sind sie nicht mehr, als leere Gespenster eines Nichtwissen, das sich nach einem Wissen sehnt, das es derzeit einfach nicht gibt.

Diese Berührung ist immer schmerzlich, und dann nehme ich mir vor, kein Wort mehr zu sagen, nie mehr auch nur ein Wort zu schreiben, aber auch darin bin ich ohnmächtig.

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Zu diesem Blog

Wir leben in einer eigenartigen Zeit, in der alte soziale Dogmen und Glaubensgrundsätze durch die Dynamik der Entwicklung immer schneller infrage gestellt werden. Und damit auch die Ideen des Menschen darüber, was er sei.

Was ist ein Mensch? Wer bin ich?

Wer in der Frage nach sich selbst, sich selbst nur als Geschichte und Ideen (er)kennt, für den kann diese Berührung persönlich zutiefst irritierend sein. Entweder versucht sich der Mensch nun abzukapseln, sich als eine Idee über sich selbst zu konservieren, was wir im Grossen in den ganzen (neo)nationalistischen Strömungen wiederfinden, die sich derzeit global ausbreiten, oder er sucht eine neue Grundlage für „eigene Identität“, die über die Idee hinausreicht.

Mit dem Zeitalter der Aufklärung wurde die Religion nach und nach in der Frage nach eigener Wahrheit entmachtet, zugunsten der Naturwissenschaft und Philosophie, aber das grundsätzliche Problem wurde nicht gelöst, eigene Identität in einem „jenseits der Idee“ zu finden. Die Aufklärung steckt im Axiom Descartes, „ich denke, also bin ich“, fest. Und wo eigene Identität eine Frage der eigenen Ideen ist, fühle ich mich automatisch in meiner Identität durch den Wandel der Ideen bedroht.

Worin? In dem, was ich (angeblich) bin.

Dieser Blog soll den interessierten Lesern eine Hilfestellung sein, eigene Identität im Wesen in einem Jenseits aller Ideen zu entdecken und erkennen helfen, was Ideen sind: Hilfsmittel, Werkzeuge. Im täglichen Umgang mit Werkzeugen, vom Kochtopf bis zu Messer und Gabel, sind wir uns alle bewusst, dass sie austauschbare Werkzeuge sind, die uns das Leben erleichtern. Niemand käme auf die Idee, ein Kochtopf zu sein.

Der ganze Neonationalismus, das ganze Festhalten an sich überlebt habenden Ideen über uns selbst, gründet auf der Verwechslung der Idee mit mir selbst. Ich glaube, eine Idee zu sein, und wo sie infrage gestellt wird, fühle ich mich bedroht – und auf diesem unglücklichen Umstand basiert der ganze heute zu beobachtende religiöse, schein-religiöse und politische Fanatismus.

Was wir beobachten, ist ein Kampf der Ideen, nicht primär der Menschen.

Doch wo sich der Mensch mit seinen Ideen, die allesamt sozial sind, in der Identität verwechselt, lässt er sich durch die Idee tyrannisieren und ist ihr Sklave.

Dieser Blog soll dem interessierten Menschen also helfen, sich jenseits dieses Ideenstreites als das wieder zu entdecken, dessen Diener die Idee eigentlich ist, „das“, die Realität selbst.

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