Teil 5: Die Hinterfragung des Wollenden und Der erste magische Akt.
Die Persönlichkeit erscheint in ihrer Hinterfragung als ein unauflösliches Paradox:
In meinem wahrnehmenden und Seinsgefühl vermittelten „Kern“ habe ich mich noch nie bewegt. In meiner als persönlich empfundenen Interaktion mit dem Wahrgenommenen komme ich nie an ein endgültiges Ziel.
Ich bestehe so aus einem völlig unbeweglichen Anteil, ja, er bewegt sich nicht einmal in der Raumzeit, und dem persönlichen Anteil in Reaktion auf die Weltwahrnehmung, der nie wirklich still steht.
Wenn Buddha vom Nirwana spricht, so interpretiere ich dieses Nichts als diesen völlig unbeweglichen Kern der Persönlichkeit. Er wird gerne übersehen, denn er hat in der Raumzeit keine wirkliche Größe. Eine Universum entsteht, dauert endlos, vergeht… für diesen Kern ist das derselbe Augenblick.
Da ich ihn betrachten kann, ist also das menschliche Verständnis durchaus fähig, diesen Kern zu identifizieren. Warum? Da es nicht wirklich von diesem Kern getrennt ist. Dieser mysteriöse Kern meiner selbst hat nicht nur keine wirkliche Größe, er ist der Urgrund für alle Größen, in unserem Falle der Raumzeit.
Er dehnt sich in sie aus, ohne sich wirklich in sie auszudehnen, könnte ich sagen.
Aus persönliche Sicht ist er wie ein Schwarzes Loch, das Persönlichkeit ausspeit und wieder einsaugt.
Hier stehe ich mir selbst als das Mysterium gegenüber. Ich kann nicht wahrnehmen, was keine Raumzeit ist. Ich kann mich als Vielfalt nur in der Raumzeit wahrnehmen.
Was sich in dieser „absoluten Präsenz“ verbirgt kann ich gar nicht wissen. Vielleicht auch nichts? Alles spekulativ. Relative Wahrnehmung ist auf die Raumzeit begrenzt. Das Thema Persönlichkeit.
Jedoch; und das behaupte ich hier einfach, jeder muss es für sich selbst untersuchen, ist dieser „Dot“ der absoluten Präsenz auch das Gravitationszentrum des Ich. Ich mündet in diesem unbeweglichen „Dot“ und blickt gleichsam aus ihm heraus, durch ihn hindurch, in die Persönlichkeit.
„Ich weiß nicht, wer ich bin.“ Hierin bin ich zwar dieser „Dot“, aber er – und damit ich selbst – sind mir als Verständnis unergründlich.
Viele Menschen denken, sie kommen in der Meditation nicht voran, aber eigentlich sind sie schon auf den unveränderlichen Anteil der Persönlichkeit gestoßen. Meditation beginnt immer neu hier und endet wieder hier: „Ich komme nicht voran.“ 🙂
„Ich komme nicht voran.“ Wie auch? Egal wie wild sich alles bewegt. Ich steht in Wirklichkeit wie unbeweglich still.
Ich bin mit einer Welt konfrontiert, deren Ursprung mir unergründlich ist. Und Ich und die Welt sind dasselbe Problem. Das Problem ist so gross wie das Universum, aber andererseits auch unverbindlich.
Auch in der Ergründung des Wollens, des Wollenden, kann ich nicht über die Raumzeit hinausblicken. Aber der Ursprung meiner selbst liegt „außerhalb“
Außerhalb der Raumzeit.
„Der eigentlich Wollende ist unsichtbar.“
Und der macht alles unberechenbar. Der Wind, der die Raumzeitblase aufbläst weht durch dieses nicht existierende Loch.
Hier ist Existenz reinste Nichtexistenz. Als wäre die Gesamtheit der Existenz auf einen Punkt konzentriert, unendlich dicht.
Hinterfrage ich den Wollenden, stoße ich so auf einen Kern, der ihn treibt, in den ich aber nicht blicken kann.
„Das Wesen des Wollenden ist unbekannt.“
In einem Buch über Magie würde ich es als sinnvoll betrachten, den Willen einmal bis zum „unbekannt Wollenden“ zu hinterfragen.
Persönlich bin ich dem „unbekannt Wollenden“ empfunden am nächsten, entleere ich mich in ihn und übergebe ihm so sinnbildlich das Wollen.
Der erste magische Akt ist den Willen zurückzugeben und ihn dann aus diesem Dot wieder neu zu empfangen, vom „eigentlich Wollenden.“
Ich trete so im ersten magischen Akt mit dem Unbekannten und Unsichtbaren und Unergründlichen in Interaktion, indem ich das, was ich in diesem Ritual will in dieses „Nichts“ werfe.
(3)
(0)