Ideologien, die die Menge persönlichen Glücks mit der Menge an Konsum (Eindrücke, Produkte, Erlebnisse…) gleichsetzen, haben immer ein Problem, kommt es zu Stagnation oder Schwund dieser Menge.
Auch ich, Brutus :-), staune immer wieder über die Berge von Gerümpel, die mich umgeben.
Ich habe inzwischen nur noch 4 ganze Fahrräder (es waren mal über 10), das Edge für den Anhänger, das Rennrad, das Muddyfox mit den Satteltaschen, und das Sunn für kleinere Besorgungen.
Im Grunde würde ein Fahrrad reichen, im Grunde sogar eines ohne Gangschaltung, aber es ist halt angenehm, flexibler zu sein.
Luxus ist eine angenehme Sache. Das Problem fängt dort an, wo ich suchtartig abhängig von ihm werde. Luxus kann ein „Surplus“ sein, das Sahnehäubchen oben drauf, aber auch emotional zum Grundnahrungsmittel werden, ohne das es nicht mehr geht.
So ist, meiner Anschauung nach, nicht der Luxus das Problem, vielmehr meine persönliche Beziehung zu ihm.
Es ist, emotional, unglaublich einfach: Wer mehr hat, als er für notwendig erachtet, fühlt sich reich. Wer weniger hat, als er für notwendig erachtet, fühlt sich arm.
Im Wohlstand lebt der, in dessen Umfeld alle mehr haben, als er selber braucht. Er kann schon bequem von seinem Abfall leben.
Aber unser kapitalistisches Wachstumsmodell funktioniert halt nur, ist niemand jemals wirklich zufrieden. Der empfundene Mangel treibt an, und er muss auch belohnt werden.
Milarepa lebte in einer Höhle und aß Brennnesseln. Und war damit zufrieden. Ein nahezu unverwüstliches Konzept. Er nutzte nicht einmal Salz.
Wer nichts braucht ist völlig frei, doch hat seine Freiheit keinen Wunsch, um seine Freiheit sein zu dürfen. Sie ist nicht bedürftig.
Zu unserem Konsummodell gibt es radikale Gegenentwürfe, zum Beispiel im Taoismus.
Und der Taoist im Kapitalismus ist der reichste Taoist, den es jemals gab.
Weder das eine Modell noch das andere Modell ist mehr oder weniger das Selbst. Es ist ein persönliches Beziehungsmodell zu mir selbst.
Ich darf mich selbst als Mangel wie auch als Überfluss begreifen.
Früher schrieb ich oft über den Klimawandel, aber es ist sinnlos vor Junkies Verzicht zu predigen.
Und wenn Konsumjunkies mit den unangenehmen Folgen ihres Tuns konfrontiert werden, nutzt das so wenig, wie mir das Rauchen abzugewöhnen.
Aber folgt der zwangsläufige Entzug, da das „immer mehr“ Grenzen zeigt, endet es halt so wie dieser Tage die Weltpolitik.
Wie gesagt, es gibt in dieser Frage kein „richtig“ oder „falsch“, aber wer rechtzeitig lernt, auf andere Weise persönliche Erfüllung zu empfinden, fällt vermutlich etwas weicher.
Auch ich kenne die Zukunft nicht, doch dieses Jahrzehnt ist wie der derzeitige Sommer hier in Frankreich. Gestern Abend 34° C. Eine Hitzewelle nach der anderen.
Die Sache ist schon verkackt. Wie verkackt, weiß niemand so genau.
Das Selbst kann mit nichts zufrieden sein, aber auch mit nichts. 🙂
Wer die eigene Freiheit an Dinge bindet, hat immer ein Problem, nämlich „das Ding“. Und „Dinge“ führen relativ zu mir als Persönlichkeit ein Eigenleben: Sie gehen auch gerne wieder.
Und wer weniger braucht hat immer „mehr“, was heißt weniger, denen er hinterher jammern muss, da sie wieder gingen.
Der reichste im Taoismus ist nicht der, der alles hat, und auch nicht der, der nichts hat, sonder der, der von all dem Gerümpel, was er hat oder nicht hat, am wenigsten braucht.
Nun ruft wieder der Waldkauz. Der gibt seltsame Rufe von sich, seit Nächten.
Ja, die liebe Politik…
den Lösungsansatz, den ich sehe, versuchte ich zu umschreiben. Aber der ist nicht zu vermitteln.
„Armut im Geiste“ ist nicht nichts oder wenig zu wissen. „Armut im Geiste“ ist auch ohne es auskommen zu können.
Und das ist „das Leeren des Raumes“. Etwas zu sein, das unabhängig davon ist.
Etwas zu sein, dass sogar unabhängig von Geburt und Tod ist. Das damit zufrieden sein kann, einfach nur zu sein.
Daher rate ich ja in diesem Blog zu Atman Vichara, dem persönlichen Erkennen Atmans. Des Selbst, das ich unabhängig von den Ereignissen bin.
Persönlich gehe ich daher derzeit eher auf Distanz. Es lohnt sich in dieser Zeit nicht, mich groß sozial zu engagieren. Die Zeit in der das mir sinnvoll erschien ist vorbei.
Mit so schwachen Tools, wie ich sie habe, komme ich nicht dagegen an. Die Idee, die ich dazu bräuchte, müsste revolutionär sein.
Ich versuche zwar in der Meditation immer wieder zu schauen, was ich womöglich übersehe, im Grenzbereich zwischen „Nichts“ und „Gestalt“, aber ich bin zu blind.
Die derzeitige „spirituelle Medizin“ ist gegen den derzeitigen Wahnsinn ein Pestarzt im Mittelalter. Im Mittelalter war es die Wanderratte, die immun gegen die Pest war, die die Hausratte als Pestüberträger ausrottete, so zumindest mein Wissensstand.
Und so ähnlich erscheint mir ganz subjektiv die derzeitige Lage.
Ich werde die Welt nicht retten (können). 🙂
Letztens meinte Sadhguru, Physik und Gott seien verschieden. Doch ist sage: Da irrt er sich gewaltig.
Ich mag zwar in meiner Vorstellungswelt Gott und Physik unterscheiden, aber real bleiben sie dasselbe: Gott.
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