Heute gab es nur knapp 30° C,

was derzeit zu den „kühlen“ Tagen zählt, wenn es die Kaltluft von Norden bis zu uns schafft. Sie fließt dann das Tal hinunter und weht böig um mein Haus.

Eigentlich wohne ich für diese Wetterlage sehr günstig, da die Abendsonne an meinem Hang und Wald scheitert, hier am Nachmittag bald schattig wird.

Aber derzeit kühlt die Luft nicht so schnell ab wie sonst. Da die Bäume in meinem Hangwald kaum Wasser haben, ist die Verdunstungskühlung immer weniger spürbar. An heißen Tagen nach Mitternacht noch 30° C.

Wann soll ich dann mal lüften? Und das macht diese Kombination aus Dürre und Hitze hier wesentlich extremer als 2003.

Die Tagestemperaturen waren nicht so hoch und es kühlte in den Nächten besser ab. Lasse ich dann alle Fenster offen, habe ich morgens im Zimmer immer noch 28° C.

Trotz Wald, Teich, Wein an der Hauswand, Schatten auf dem Dach durch die Esche am Haus… es nutzt bei dieser Wetterlage nicht viel.

Derzeit finde ich mich einfach damit ab, genieße es, so gut als möglich, aber sollte das im Klimawandel so schnell weitergehen wie derzeit, muss ich mir was einfallen lassen. Obwohl ich ca. 30 km am Tag radle, im Schnitt, bergauf, bergab, merke ich, wie die Sache mit der Zeit an den Kreislauf geht.

Und das hat mich diesen Sommer selbst kalt erwischt, obwohl ich vom Extremsszenario ausgehe, das James Hansen oder Rahmstorf zeichnet.

Dass das hier in Frankreich so extrem ausfallen könnte, habe ich nicht erwartet.

Aber ich erwarte auch nicht, dass sich das so schnell wiederholt.

Nur wird das nächste Mal, wann auch immer, alles noch extremer. Und für den Fall überlege ich an einer Klimatisierung.

Derzeit tendiere ich zu „Lowtech“ als ein Rohr, das ich im Erdreich vergrabe und die Luft durch dieses Rohr ansauge. Im Erdreich ist es ab einer gewissen Tiefe recht konstant kalt – und ist die Drainage lang genug und tief genug verlegt, habe ich so immer Kaltluft, die ich über einen regelbaren Ventilator ins Zimmer blasen könnte.

Hier ist nun die 5. Hitzewelle angekündigt, die sich bis Donnerstag in einer Woche zu 38° C steigern soll.

Da liege ich, der sonst selbst im Sommer unter der Daunendecke friert, nackt ohne Decke auf dem Bett.

Das gab es hier noch nie. Das ist dann wie in Chennai.

Und falls nicht ein Supervulkan oder sonst ein unvorhersehbares Ereignis den Klimawandel vorübergehend bremst?

Das Problem ist, dass sich die meisten Menschen nicht wirklich darüber bewusst sind, was wir hier gerade lostreten und dann in seiner Eigendynamik dem Menschen entgleitet.

Aber mehr machen, als Gefallen an einer klimatisch verträglichen persönlichen Lebensweise zu finden, kann ich auch nicht.

Das geht auch nicht vor heute auf morgen. Es ist durchaus sportlich und anspruchsvoll.

Aber Ignoranz ist auch keine Lösung, auch wenn das eigene Bemühen sinnlos erscheint. Ich bin da bei Kant, der meinte, ich tue die Dinge, die als richtig empfinde, nicht um einer Belohnung willen, sondern weil ich sie als richtig empfinde. Im Einklang mit meinem Erkenntnisstand.

Der Mensch ist so auf Belohnung fixiert, dass es dieses „Ich tue es, weil ich es tun will“ in seiner Einfachheit aus den Augen verliert.

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