Kali Rex

weigerte sich gestern, das Haus zu verlassen. Setzte ich sie vor die Türe, rannte sie gleich wieder ins Wohnzimmer. Wollte ich sie dann einfangen, flüchtete sie unter den Möbeln hindurch, die mir nun im Wege standen.

Am liebsten sitzt sie in meiner Nähe auf dem Sofa, mit genügend Sicherheitsabstand, und putzt sich.

Ich lese immer wieder von Menschen, die behaupten, sie könnten „sehen“, ob jemand (im spirituellen Sinne) erwacht sei. Aber das bleibt immer meine subjektive Wertung aus den Aussagen (und Handlungen) betreffender Person, denn an der Basis sehe ich nichts anderes als was jede/r „sieht“: „Bewusstsein“.

Und ich werte natürlich auch alle Aussagen, die mir begegnen, aber für mich sind der Indikator weniger die Aussagen, sondern „kleine Schnitzer“ oder „Abweichungen“ am Rande.

Und das „Problem“ ist, dass natürlich jede und jeder „Erwachte“ auch viel Mist erzählt, wie jeder Mensch. Wie das eine vom anderen unterscheiden?

Gerade Leute, die eine größerer Gemeindeveranstaltung betreiben, sehen sich der Herausforderung konfrontiert, immer wieder etwas Neues erzählen zu müssen, da die Gemeinde etwas hören will, auch gibt es im Grunde (Thema) gerade nichts zu sagen.

Und dabei besteht immer die Gefahr, dass Aussagen zu Themen getroffen werden, in denen betreffende Person – so erwacht sie sein mag – ein relativer Depp ist, wo ich eigentlich sagen müsste: „Das weiß ich nicht.“

Aber in diese Erkenntnis wird gerne eine Allwissenheit projiziert, die in Hinsicht auf das relative Wissen gar nicht existent ist. Die „Allwissenheit“ kreist um das „leere Selbst“, das „Nichts“, wie gestern thematisiert: „Shiva“.

Und hier könnte eine genauere Unterscheidung im Wissen dem Thema dienlich sein, aber verständlicherweise sucht die Menschheit den „Super-Human“.

Und gibt es den praktisch nicht, kann man ja sozial mal so tun, den Wunsch des Publikums entsprechen (meist auch besser bezahlt als Nüchternheit), und den „Superhuman“ spielen.

Das ist nicht einmal verwerflich. Die Kirchen lebten Jahrtausende von diesem Geschäftsmodell. Und es gibt auch ein menschliches Bedürfnis. Und ich muss auch einsehen, dass, selbst wird dieses Bedürfnis nur durch eine Fiktion befriedigt, das vielen Menschen lieber als „Was wissen wir wirklich?“ ist.

Ich liebe ja auch all diese kitschigen Geschichten und hätte früher ein Vermögen bezahlt, solch einem „Guru der Legenden“ einmal zu begegnen.

Er ist ein menschliches Bedürfnis, und er ist eine menschliche Fiktion.

Stellt euch einmal vor, es würde wirklich solche Menschen geben. Sie schauen dich an, du erwachst, Lahme können wieder laufen, Blinde sehen und

Hühner würden gehorchen.

Aber auf der materiellen Ebene ist der Erwachte derselbe Depp wie alle, dem selbst eine Blaumeise nicht gehorcht, ihn beißt und ihn dann auch noch überlistet. Und ihn dann auch noch beschimpft, auch war seine Absicht „ethisch löblich“.

Nicht einmal „Gute Absicht“ reicht für „gutes Ergebnis“ – und so zieht dieses Thema seine Blutspur durch die menschliche Kultur:

„Wenn Deppen (ich schließe mich ein) über das Selbst erzählen.“

Mehr Licht ist halt nicht.

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